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Psychotherapie oft schwierig?!
23.04.2009, 19:18
Beitrag: #1
Psychotherapie oft schwierig?!
Oft wird Mobbingopfern zu einer Therapie geraten. Es sagt sich so leicht, aber dass dies gar nicht so einfach möglich ist, zeigt der folgende Artikel, den ich in unserer Tageszeitung gefunden habe. Im Chat haben wir uns teilweise schon über diese Problematik unterhalten, und vllt. hat da manch einer geglaubt, ich würde übertreiben. Aber so siehts bei uns aus:

Zitat:Manche warten Jahre auf Hilfe

Experten halten Kinder und Jugendliche im Kreis *** für psychiatrisch und psychologisch unterversorgt

Magersucht, Depressionen, ADHS – das sind nur einige der Störungen, die Kinder und Jugendliche quälen können. Schnelle Hilfe tut Not, doch oft gibt es sie nicht: „Wir haben eine gravierende Unterversorgung im therapeutischen Bereich“, sagt der Kinder und Jugendpsychologe Dr. F. Viele seiner Kollegen im Kreis *** geben ihm Recht.

Bis zu acht Patienten täglich muss allein Dr. F. abweisen. Von einem Missstand will man bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nicht reden: „Wir haben rechnerisch keine schlechte Versorgung, sondern ein überdurchschnittlich gutes Angebot“, meint H.S. von der Kassenärztlichen Vereinigung. S. ist dort mit der Planung im Gesundheitswesen beschäftigt und zählt auf, wie viele Ärzte und Therapeuten sich im ambulanten Bereich im Kreis *** professionell um die Probleme von Kindern und Jugendlichen kümmern: fünf ärztliche Psychotherapeuten, darunter zwei Kinder- und Jugendpsychiater, 26 Psychologen und neun Kinder- und Jugendpsychotherapeuten: „Wir haben somit im Kreis *** 40 Behandler, rein rechnerisch wären 38 nach den Gesetzesvorgaben die Sollzahl“, sagt S. Dass solche Zahlen oft nichts mit der persönlichen Lage zu tun haben, räumt der Experte aber ein: „Wir haben in sämtlichen Planungsbereichen vier bis sechs Monate Wartezeit auf einen Therapieplatz. Der gefühlte Versorgungsbedarf ist groß.“

Wohl nicht nur der: Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) 2007, eine bundesweite Studie des Robert-Koch-Institutes, ergab, dass rund 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von 7 bis 17 Jahren Hinweise auf psychische Auffälligkeiten zeigen, darunter auch Ängste und Depressionen. Auch vor Ort wird dies ganz praktisch deutlich: Man habe eine „Welle von Leuten“, die anfragen würden, berichtet Dr. A. Chefarzt der Psychosomatik am Kreisklinikum ***. Rund 150 Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren suchen dort pro Jahr Hilfe: „Und wir haben keine Reklame gemacht“, stellt Dr. A. klar.
Bis jetzt therapiere man erst Patienten ab einem Alter von 19 Jahren, Jugendliche, die jünger seien, schicke man in den nächsten Kreis oder teilweise 100 oder 200 km weiter. „Da protestieren die Eltern oft auch ganz ordentlich“, sagt Dr. A, räumt aber ein, dass in manchen Einzelfällen auch nötig sei, das Kind woanders als im Heimatort zu therapieren.

„Die Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung ist nach wie vor schlecht, vor allem im ambulanten Bereich“, bilanziert auch Prof. H. vom Klinikum des angrenzenden Kreises. Dort gibt es seit einigen Jahren eine Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, mit zehn Plätzen für Kinder und zehn Plätzen für Jugendliche. „Das ist über das Jahr hin ausreichend, das Haus ist aber vom ersten Tag an voll.“, sagt der Kinder und Jugendpsychiater. Allerdings nehme man in der Klinik auch nur ausgeprägtere Fälle an, für leichtere gebe es zu wenig ambulante Therapiemöglichkeiten. „Die Diagnose kann man eigentlich noch gut machen. Das Problem ist der therapeutische Bereich. Hier müssen manche Jahre warten“, beklagt H.

Nicht ohne Folgen: Entweder bekämen diese Patienten gar keine Behandlung, versuchten in die Großstädte auszuweichen oder gäben irgendwann auf: „Es ist auch für die soziale Integration nicht gut, wenn eine Behandlung nicht stattfindet. Das kostet letztendlich auch wieder Geld“, warnt H. Es brauche mehr ambulante Angebote und eine Tagesklinik. Hier gebe es Bedarf.

„Wir sind dran, eine psychiatrische Tagesklinik in xxx zu installieren, wir haben einen Antrag beim Sozialministerium gestellt“, erklärt dazu P.M. Krankenhausdirektor der xxxklinik. 15 Plätze solle diese haben und eine Lücke zwischen der ambulanten und vollstationären Versorgung schließen. Allerdings ist das Projekt laut P.M. noch nicht genehmigt.

Einen Antrag beim Sozialministerium hätte man vor einiger Zeit auch vom Kreisklinikum *** aus gestellt: 20 Plätze für Kinder- und Jugendliche sollten dort in einer Psychosomatischen Abteilung speziell für diese Altersgruppe entstehen, erklärt Dr. A. Doch das Sozialministerium lehnte den Antrag mit dem Hinweis auf eine „ausreichende Versorgung“ ab.
Dabei bezieht sich der Maßstab für die ambulante Versorgung auf zehn Jahre altes Datenmaterial. Verteilt wurde der Kuchen damals indem man die Einwohner des Kreises und die damals dort ansässigen Psychotherapeuten zählte, dann das eine durch das andere teilte und damit auf eine Zahl kam von 8340 Einwohner pro Therapeut. Eine Berechnung, die beispielsweise einem von der Größe mit *** vergleichbarem Kreis, doppelt so viel Psychotherapeuten beschert hat, weil es dort einfach schon mehr Therapeuten gab.

Doch wie überall ist auch im Kreis *** der Bedarf an therapeutischen Angeboten für Kinder und Jugendliche gestiegen: „Das Problem ist größer geworden. Das liegt auch an der größeren Bereitschaft der Eltern sich Hilfe zu holen, einer größeren Toleranz gegenüber einer solchen Behandlung – und an anderen Möglichkeiten der Diagnostik und der Therapie“, erklärt Dr. F. Die Toleranz gegenüber Kindern, die nicht so problemlos funktionieren, sei niedriger geworden, meint Dr. F. Es gebe mehr Stress, mehr Alleinerziehende, insgesamt weniger Liebe und Zeit für Kinder. „Das sind alles Zwänge, die tun Kindern nicht besonders gut“, weiß der Experte.

Die Kinder- und Jugendpsychiaterin R. macht darauf aufmerksam, dass gerade der Psychiater in vielen Fällen die richtige erste Anlaufstelle sei, da dieser die Möglichkeit habe, eine Diagnose auch auf neurologischer Ebene abzuklären und Medikamente zu verschreiben.
Allerdings gibt es auch von den ärztlichen Kinder- und Jugendpsychiatern im Kreis nicht viele. Neben Frau R. hat eine weitere Ärztin in *** eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet. Dabei gelten in diesem Bereich keine Zulassungsbeschränkungen. Allerdings zählt die KV insgesamt bundesweit auch nur 654 solcher Fachärzte.

Da es aber vor allem an ambulanten therapeutischen Angeboten mangelt, bleiben die psychischen Probleme eines Kindes oder Jugendlichen oft beim Hausarzt hängen: „Bis zu 70 bis 80 Prozent sind bei mir in der Praxis“, stellt die Allgemeinmedizinerin Dr. E. fest. Insgesamt 30 bis 50 Kinder und Jugendliche pro Jahr habe sie, bei denen eine Therapie gut wäre – auch weil sie als Allgemeinärztin nicht wirklich die Zeit habe, die notwendig wäre für eine adäquate Behandlung: „Das läuft nebenher und ist psychosomatische Grundversorgung“, sagt sie.

Bei der KV indes zweifelt man daran, dass es bei einem Mehr an Psychologen eine Verbesserung der Situation gebe. „Bei einer dreimal höheren Dichte an Therapeuten wären die Wartezeiten ebenso lang, weil dann auch mehr nachgefragt würde“, argumentiert H.S. (KV).

An meiner derzeitigen Schule haben sich in den letzen paar Jahren 5 Schüler umgebracht.

[Bild: 2WOt.gif]
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25.04.2009, 21:30
Beitrag: #2
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Aus dem Artikel kann man entnehmen, das es bei euch eine große psychologische Unterversorgung gibt.

Dies zeigt die hohe Nachfrage. Tendenz steigend. Darum verstehe ich nicht, wieso die Kassenärztliche Versorgung der Ansicht ist, dass es genügend Stellen gäbe. Ich mein das ist doch offensichtlich.
Ich denke, das Thema wird von der Kassenärztlichen Vereinigung, zu leicht auf die Schulter genommen. Die psychischen Probleme sind in den vergangen Jahren rasant angestiegen, wie der Text sagt, ist es bereits mittlerweile jeder 5. Die Aussichten für die Zukunft werden wohl so trostlos bleiben. .
Eine große Ursache ist wie du bereits gesagt hast, Mobbing. Das hat in den vergangenen paar Jahren einen echten Höhepunkt erreicht
Weitere Faktoren sind der Leistungsdruck in den Schulen, was mittlerweile soweit geht, dass viele Schüler am Ende der Schullaufbahn total fertig in Arbeitsleben eintreten, auch bekannt unter dem Begriff,,Burn Out“.

Drum kann ich auch die Argumentation von H.S der KV nicht ganz nachvollziehen. Gerade dann, wenn der Bedarf zu psychologischer Hilfe größer wird, sollte man doch versuchen, den bedarf weitgehend zu decken. Jeder Mensch hat ein Recht, dass er schnell Hilfe bekommt, falls er eine braucht, so seh ich das. Aber so weit denken die nicht. Die KV rechnet in Zahlen und da sind so viele Psychologscher Stellen, wie eig. tatsächlich benötigt werden, unwirtschaftlich. Das ist ein großer Makel auf Kosten der Menschen.

LG Dennis

Die, die wegsehen und in der schweigenden Mehrheit schwimmen, die ohne eigne Meinung stehen, die die mangelndes soziales Engagement zeigen, sowie die die andere aufgrund ihrer Andersartigkeit auschließen oder schikanieren sind genauso wenig wert wie wir.
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10.05.2009, 19:02
Beitrag: #3
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Dennis, deine Worte kann ich voll und ganz unterschreiben.
Alle Welt wundert sich, wenn irgendwo irgendwas geschieht, und vor den Gründen oder Mitursachen verschließen sie die Augen.

Aber darin sehe ich nicht das einzige Problem an einer Psychotherapie, dass kaum Plätze et cetera vorhanden sind.
Als ich eine Therapie gemacht habe, kam ich mir nicht ernst genommen vor. Mein Therapeutin war nett und alles, im Grunde konnte ich super mit ihr reden. Aber sie versuchte unentwegt, mich in eine Richtung zu drängen, meinte, sie müsste das Problem bei meiner Familie suchen - obwohl ich extra erwähnte, dass ich aufgrund von Mobbingerfahrungen mehr Probleme als Lösungsansätze habe. Meine Familie ist nicht die beste, aber sie hat es übertrieben. Und hat meine Einwände ignoriert und mich des Weiteren nicht meinem (geistigen-) Alter gerecht behandelt.

Vielleicht ist das ein Einzelfall, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass Kinder und Jugendliche oft auch gerade in solchen Situationen nicht so erhört werden, wie sie es meinen. Es wird hinter den Worten nach etwas gesucht, das nicht vorhanden ist, und dabei wird das Eigentliche vergessen.

Aber vielleicht sehe ich auch einfach nur zu schwarz und sollte mich anders ausdrücken, wer weiß das schon.
Liebe Grüße, geschichte

Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen - doch es wachsen keine Blumen auf ihr.
-Vincent van Gogh
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11.05.2009, 21:21
Beitrag: #4
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Hm, da hast du bestimmt Recht. Das könnte daran liegen, dass die Psychologen keine fertigen Probleme vorgesetzt bekommen wollen. Es ist ja auch IHRE Arbeit, das Problem zu suchen und zu erkennen. (nur so eine Idee)

Aber es ist einfach kein Zustand, wenn man bei akuten Problemen keinen Therapieplatz bekommt. Ich mein, da kann man nicht ein paar Jahre warten. Da kann dann alles zu spät sein. Und wenn die einzige Alternative eine stationäre Behandlung ist, wird das natürlich bis zuletzt rausgeschoben. Denn stationär in die Psychiatrie.. dazu gehört einiges an Überwindung, und ist anfangs bestimmt auch noch nicht nötig.

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11.05.2009, 21:27 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.05.2009 21:27 von geschichte.)
Beitrag: #5
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
(11.05.2009 21:21)saphira schrieb:  Es ist ja auch IHRE Arbeit, das Problem zu suchen und zu erkennen. (nur so eine Idee)

Klar, aber wenn man einen Hinweis gibt, und vor allem sagt, dass man vor allem über etwas bestimmtes reden will, und wenn dann immer irgendwo nachgebohrt wird, ohne über etwas anderes zu reden, dann finde ich das schon reichlich merkwürdig.

Liebe Grüße, geschichte

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11.05.2009, 21:37
Beitrag: #6
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Ja klar^^, ich meinte das jetzt auch so, dass die sich wahrscheinlich in ihrem Stolz angegriffen fühlen, wenn sie das Problem schon serviert bekommen. Ich sag nicht, dass ich das gut von denen finde (oder jetzt von deiner Therapeutin) und dass das unbedingt Sinn macht. Obwohl es natürlich schon vorstellbar wäre, dass es auch Fälle gibt, die Probleme "vorschieben" um vom eigentlichen Problem abzulenken. Naja... aber das ist halt so eine Sache, ob man wirklich sagen kann, was ein Psychologe denkt.^^

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13.02.2010, 00:31
Beitrag: #7
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Mittlerweile habe ich ja eine neue Therapeutin, und ich möchte noch mal meinen Senf dazu geben.
Bis ich diese fand, war ich bei einer, die mit mir nicht reden, die mich einfach einweisen wollte...

Jedenfalls bin ich nun bei jemandem, mit dem ich reden kann.
Sie ist nett, sympathisch, beherrscht grundlegende Höflichkeitsformen und hört mir zu, so lange ich ihr nicht das Wort abschneide. Selbst, wenn sie mich mit dem, was sie sagt, langweilt, höre ich zu - einfach weil sie sie ist, und in mir einen Menschen sieht, nicht irgendeine Akte.

Könnte damit zusammen hängen, dass sie noch nicht über viel Berufserfahrung verfügt, sie befindet sich gerade in den letzten Zügen ihrer Ausbildung. Aber sie ist so ziemlich die einzige Erwachsene, die mein Problem kennt und mich ernst nimmt.
Genau DAS ist es, was mir vorher immer gefehlt hat. Und ich finde, dass es grundlegend für eine Therapie ist.

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22.02.2010, 12:42
Beitrag: #8
RE: Psychotherapie oft schwierig?!
Ich sehe auch das Problem bei der Überforderung der vorhandenen Psychologen und Therapeuten. Diese haben teilweise schon so voll gepackte Terminkalender aufgrund der großen Nachfrage, dass man es ihnen eigentlich nicht mal wirklich übel nehmen kann, wenn sie sich überfordert zeigen. ist natürlich für den betroffenen Patienten bitter, der kann ja auch nichts für den Mangel an Therapeuten in bestimmten Regionen. Gerade dort müssen irgendwann auch die regionalen Krankenkassen zum Umdenken anfangen und sich überlegen, wie sie Herr dieses Problemes werden können. Denn langfristig verursacht dieser Mangel an Fachleuten den Kassen weitere Kosten durch Krankenhausaufenthalte, teure Medikamente usw.
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